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Wenn die Thuja zum Streitfall wird - Hypotheken-Ratgeber | Hypoguide AG

Wenn die Thuja zum Streitfall wird

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Sie ist der Klassiker für Streit unter Nachbarn: Die Hecke. Dicht gefolgt von Geruchsbelästigung durch gegrillte Straussensteaks und unrechtmässigem Wenden auf Nachbars Garagenvorplatz. Aber was gilt denn tatsächlich? Darf ich meine Thuja-Hecke auf die Grundstücksgrenze pflanzen und muss der Nachbar das Laub seines Apfelbaums in meinem Garten selber zusammenlesen?


Willkommen im Paragraphendschungel

Eine Schweiz weit gültige Regelung für das Anpflanzen von Hecken, Sträuchern und Büschen zwischen zwei oder mehreren Privatgrundstücken wäre praktisch und schonend für die Nerven. Leider bleibt das vorerst Wunschdenken: Jeder Kanton handhabt die Sache etwas anders. Hinzu kommt, dass viele Gemeinden noch zusätzliche Regelungen definieren. Diese sind in der Bau- und Nutzungsordnung (BNO) der jeweiligen Gemeinde nachzulesen.

Meiers Thuja-Hecke im Check

Ein Fall, wie er häufig vorkommt: Meyer lebt seit 15 Jahren in seinem Einfamilienhaus in Rheinfelden (AG). Das Grundstück im Osten seiner Parzelle ist seit jeher unbebaut. Um seinen Garten im Osten zu begrenzen, hat Meyer eine Thuja-Hecke gepflanzt. Diese steht genau auf der Parzellengrenze zwischen seiner Parzelle und dem

unbebauten Grundstück. Anfang des Jahres wird das Land an Familie Kappler verkauft. Die Familie plant ein Einfamilienhaus. Genau an der Grenze zu Meyers Grundstück soll ein Gemüsebeet angelegt werden. Meyer sieht das in den Baugesuchsplänen, die in der Gemeinde aufliegen. Das geht nicht, ist er der Meinung. Wie soll er den seine Hecke in Zukunft von der anderen Seite her schneiden? Hat Meyer Recht?

Erst die Rechtslage prüfen

Wie soll Meyer vorgehen, um herauszufinden, ob er Recht hat? Wer sich in Sachen Baugesetz nicht auskennt, sollte sich Rat holen. Viele Gemeinden bieten eine unentgeltliche Rechtsauskunft an. In Meyers Fall macht es Sinn, sich direkt an die Bauverwaltung der Wohnsitzgemeinde zu wenden. Denn diese muss das Baugesuch für das geplante Einfamilienhaus sowieso prüfen und kann detailliert Auskunft geben. Meyer sollte auf keinen Fall wegen seiner Vorbehalte gegenüber dem Gemüsebeet eine Einsprache gegen das Projekt eingeben, bevor er die rechtliche Lage nicht geprüft hat. Leider geschieht das in der Praxis häufig. Kein guter Start für eine zukünftige, und langjährige Nachbarschaft.

BNO vor BNR

Massgebend für die Gestaltung von Stützmauern, Hecken und Böschungen zwischen privaten Grundstücken ist in erster Linie die Bau- und Nutzungsordnung (BNO). Gibt die BNO der betreffenden Gemeinde keine Auskunft zu dem Thema, gilt, was im Bau- und Nutzungsrecht (BNR) des zuständigen Kantons steht. Nicht selten machen die Gemeinden strengere Vorschriften als der Kanton.

Meyer wohnt in Rheinfelden. Was steht in der BNO Rheinfelden? Art. 76 Einfriedungen zwischen privaten Grundstücken der BNO Rheinfelden sagt folgendes aus: 

1. Einfriedungen müssen entlang der Parzellengrenze einen Abstand von 0.60 Meter dieser einhalten.

2. Die Einfriedungen dürfen keine scharfen Spitzen, Stacheldrähte oder dergleichen aufweisen.

3. Zum Bau und zum Unterhalt der Einfriedung darf das Nachbargrundstück betreten werden. Es ist aber darauf zu achten, dass man der Nachbarparzelle dabei keinen Schaden zufügt und die Nachbarn nicht unnötig belästigt. 

Eine Stützmauer oder Hecke darf, wenn es der Nachbar ausdrücklich erlaubt, auf die Grenze gebaut werden. Diese sog. nachbarliche Zustimmung wird dann als Dienstbarkeit im Grundbuch eingetragen.   

Was bedeutet das für Meyers Thuja-Hecke? Die obigen Aussagen machen klar: Meyer hätte seine Hecke nicht direkt auf die Parzellengrenze pflanzen dürfen. Die gesetzlich vorgeschrieben 0.60m Abstand hat er nicht eingehalten. Die Rechtslage bringt Meyer sogar in Bedrängnis. Familie Kappler könnte von ihm verlangen, seine Hecke um 60cm zurück zu versetzen.

Anruf statt Einsprache

In Meyers Fall wäre es das Beste, das Gespräch mit den zukünftigen Nachbarn zu suchen und ihnen seine Bedenken und Ansichten zu äussern. In vielen Fällen lässt sich eine Lösung finden, die allen zu Gute kommt. Denkbar wäre etwa, dass Familie Kappler Meyer im Nachhinein die nachbarliche Zustimmung dafür gibt, die Hecke auf die Grenze zu pflanzen. Im Gegenzug könnte Meyer weiterhin für den Unterhalt der Hecke aufkommen oder man einigt sich darauf, sich den Unterhalt zu teilen. Was auch immer man letztlich miteinander vereinbart: Es muss schriftlich festgehalten und, wenn nötig, ins Grundbuch eingetragen werden.

Viel Lärm ums Laub

Auch für Bäume gelten Grenzabstände. Hier gilt, was im ZGB steht. Denn Regelungen betreffend Pflanzungen auf dem eigenen Grundstück betreffen das Eigentum eines jeden Bürgers, und dies regelt das ZGB. 

Auszug § 88 EG ZGB: 

1

Für neue Pflanzungen gelten, gemessen ab Stockmitte, folgende Vor­schriften: *

2

Hochstämmige Bäume, die nicht zu den Obstbäumen gehören, sowie Nuss- und Kastanienbäume dürfen nur in einer Entfernung von 6 m, andere Obstbäume nur in einer Entfernung von 3 m, Zwergbäume, Zier­bäume und Sträucher, die nicht höher sind als 3 m, nur in einer solchen von 1 m und Reben nur in einer solchen von ½ m von der Grenze gepflanzt werden. Zierbäume dürfen bis auf die Entfernung von 3 m gepflanzt werden, sofern sie eine Höhe von 6 m nicht übersteigen.

Wer sich nicht ganz sicher ist, ob das Bäumchen mit den roten Blättern nun ein Zier- oder doch ein Obstbaum ist, fragt am besten einen Gärtner.

Doch was ist mit dem Laub? Muss man, auch wenn der Baum genügend Abstand von der Grenze hat, das Laub einsammeln, das der Wind auf Nachbars Grundstück weht? Nein. Denn das Laub gilt nicht als übermässig störend für den Nachbarn. Nur in ganz seltenen Fällen, kann gerichtlich erwirkt werden, dass der Nachbar das Laub seiner Pflanzen auf dem Nachbarsgrundstück selber zusammenliest. Aber solche Bestrebungen sind meist vergebens und kosten letztlich nur viel Zeit und Geld.

Kleiner Trost: Früchte von Nachbars Apfel- oder Zwetschenbaum, die auf dem eigenen Grundstück landen, dürfen ohne schlechtes Gewissen verzehrt werden. Denn hier gilt das sog. Anriesrecht (Art. 687 Abs. 2 ZGB).

Miteinander statt gegeneinander. Wer mit seinen Nachbarn früh das Gespräch sucht und bereit ist, Kompromisse einzugehen, kann Auseinandersetzungen von Anfang an einen vermeiden. Leider funktioniert das nicht immer. Wer Trotz Streit eine Lösung ohne Anwälte und Gericht anstrebt, kann einen professionellen Schlichter beiziehen. Voraussetzung: Beide Parteien sind bereit, gemeinsam eine Lösung zu finden. 

Tipps:

  • Reden Sie mit ihrem Nachbarn, wenn Sie einen Zaun, Hecke oder Stützmauer planen.
  • Versuchen Sie es im Streifall zuerst mit einem professionellen Schlichter, bevor Sie (und Ihr Nachbar) einen teuren Anwalt engagieren:

Schweizerischer Dachverband für Mediation: www.infomediation.ch

  • Prüfen Sie die Rechtsgrundlage und finden Sie heraus, ob Sie für Ihr Vorhaben eine nachbarliche Zustimmung benötigen.
  • Machen Sie sich Gedanken zum Unterhalt: Eine Hecke braucht mehr Pflege als eine Stützmauer, ist dafür günstiger in der Anschaffung.

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