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Scheidung! Was passiert der Hypothek? - Hypotheken-Ratgeber | Hypoguide AG

Scheidung – was passiert mit Haus und Hypothek?

Verlauf und Ausgang einer Scheidung werden bereits im Moment der Eheschliessung beeinflusst. Die meisten Paare sind sich dessen nicht bewusst. Nur die wenigsten überlegen sich, was das, was von Gesetzes wegen automatisch gilt, für sie im Falle einer Scheidung bedeutet. Wem steht das Haus zu? Wer muss für die Hypothek aufkommen? Wer bekommt wie viel vom Gewinn, wenn das Haus verkauft wird?


Güterstand und Eigentumsform sind entscheidend

Viele Fragen und – um es vorweg zu sagen – DIE Antwort gibt es nicht. Wer zur ganz persönlichen Lösung gelangen möchte, sollte sich Schritt für Schritt ins Thema einarbeiten. Mit diesem Artikel schaffen Sie den Einstieg in das unliebsame und gleichzeitig brisante Thema. 

Massgebend für Verlauf und Ausgang der Scheidung ist der geltende Güterstand und – gerade was Liegenschaften betrifft – auch die Art des Eigentums an der Liegenschaft

Die Errungenschaftsbeteiligung ist der am meisten verbreitete Güterstand in der Schweiz und gilt, solange die Ehegatten nichts anderes vereinbaren. Für all jene, die ohne Ehevertrag heiraten, gilt automatisch der Güterstand der Errungenschaftsbeteiligung. 

Die Errungenschaftsbeteiligung – die wichtigsten Punkte (Auflistung nicht abschliessend)

  • Errungenschaften, die während der Ehe gemacht werden, werden von beiden Ehegatten unabhängig voneinander genutzt und verwaltet.
  • Bei der Scheidung wird die Errungenschaft zwischen den Eheleuten je zur Hälfte geteilt.
  • Für Schulden, die die Ehegatten gemeinsam eingehen, wie z.B. Hypothekarschulden, haften die beiden Ehegatten solidarisch. 

Zu den Errungenschaften zählen das Gehalt, die Zinsen und die Vorsorgebeiträge. Wenn das Haus beiden je zur Hälfte gehört und das Haus bei der Scheidung verkauft wird, wird der daraus resultierende Gewinn bzw. Verlust je zur Hälfte geteilt. Die Teilung geschieht unabhängig davon, wie viel der einzelne Ehegatte tatsächlich in den Erwerb investiert hat. Das kann bedeuten: Die Exfrau hat zwar 70% des Hauskaufs finanziert, von der Wertsteigerung nach dem Verkauf profitiert sie aber nicht zu 70%, sondern erhält nur die Hälfte des Gewinns.

Die Eigentumsform an der Liegenschaft ist in diesem Beispiel das Miteigentum; das Miteigentum zu jeweils 50%. Bei Ehepaaren in der Schweiz, die gemeinsam ein Haus kaufen, ist diese Form des Eigentums weit verbreitet und wird meist ungefragt als Standard angewendet: "In 95 Prozent der Fälle erwerben Ehepaare Wohneigentum im Kanton Zürich als Miteigentümer je zur Hälfte", heisst es von René Biber, Notariatsinspektor des Kantons Zürich (Tagesanzeiger, 10.02.2014).

Das Problem: Beim hälftigen Miteigentum wird nicht beachtet, welcher der Ehegatten tatsächlich wie viel zum Kauf der Liegenschaft beisteuert. Standardmässig wird in den meisten Kaufverträgen das hälftige Miteigentum aufgeführt, obwohl die Notare meist nicht wissen, wer wie viel bezahlt hat.

Dabei können Ehepaare, die unterschiedlich hohe Beträge für das Haus bezahlt haben, dies mit sogenannten Eigentumsquoten im Grundbuch festhalten. Sofern nichts anderes vereinbart wird, teilen sich die Ehegatten Gewinn, Verlust und Hypothekarschulden im Verhältnis der Quoten. Kommt es zur Scheidung, lässt sich an Hand der Eigentumsquoten klar berechnen, wer zu welchen Teilen für die Hypothek haftet, am Gewinn beteiligt oder den Verlust zu tragen hat. 

Wer bekommt das Haus?

Geht man vom Güterstand der Errungenschaftsbeteiligung aus und dem hälftigen Miteigentum als Eigentumsform, sind folgende Szenarien denkbar: 

  • Ein Ex-Partner übernimmt das Haus und zahlt den anderen aus

Der Ex-Partner, der das Haus übernimmt, zahlt dem anderen das von ihm ins Haus investierte Eigengut zurück plus die Hälfte der Errungenschaft.

Achtung: Lässt sich nicht eindeutig belegen, wie viel der Ex-Partner, der ausgezahlt werden soll, tatsächlich investiert hat, sind Streitigkeiten vorprogrammiert.

  • Das Haus verkaufen und den Erlös aufteilen

Achtung: Gewinn und Verlust werden zu je 50% geteilt – unabhängig davon, wer tatsächlich wie viel einbezahlt hat.

  • Das Haus bleibt Eigentum beider Ex-Partner

Achtung: Das funktioniert nur, wenn sichergestellt ist, dass beide Partner weiterhin ihren Verpflichtungen nachkommen und für die Hypothek und andere Liegenschaftskosten aufkommen können. 

Vorsicht Solidarhaftung!

Für Hypothekarschulden haften die Ehegatten bei Errungenschaftsbeteiligung soldidarisch. Im Falle des hälftigen Miteigentums bedeutet das, dass beide Ehegatten – unabhängig von ihren jeweiligen finanziellen Mitteln – für die gesamte Hypothek haftbar sind.

Bei einer Scheidung kann die Bank sich aussuchen, von wem sie den Kredit und die Zinsen einfordert. Meistens geht die Bank dabei auf den Exmann zu. Ist dieser bereit die gesamte Hypothek allein zu tragen, behält die Bank die Exfrau trotzdem in der Haftung. Denn zwei Schuldner sind für die Bank eine grössere Sicherheit. Kann der Exmann nicht mehr zahlen, nimmt die Bank die Exfrau in die Pflicht.

Im Idealfall kommt der Ex-Partner, der das gemeinsame Haus übernimmt, für die Hypothek auf und derjenige Partner, der nichts mehr von dem Haus hat, kann aus dem Vertrag entlassen werden. Ein solches Szenario ist möglich, wenn die Bank sicher ist, dass die finanziellen Mittel des einzelnen Ex-Partners ausreichend sind für eine alleinige Haftung der Hypothek. Leider ist dies in der Realität selten möglich. Was tun? 

  • Hypothek verringern

z.B. mit Erbvorbezug oder Vorsorgegeldern

  • Zusatzsicherheiten für die Bank

Der Bank Wertschriften oder Lebensversicherungen als Pfand zur Verfügung stellen. 

Es ist möglich, dass die Bank die Tragbarkeit als gegeben ansieht, wenn die obigen Punkte realisiert werden können.

Bieten auch die genannten Massnahmen der Bank nicht genügend Sicherheit, kommt der zweite Partner erst aus der Haftung, wenn das Haus verkauft wird. Achtung: Wird das Haus vor Ablauf der laufenden Hypothek verkauft, verlangt die Bank eine Vorfälligkeitsentschädigung, auch Penalty genannt. Das kostet das Ex-Ehepaar schnell mehrere 10'000 Franken. 

Stellen Sie deshalb vor Abschluss der Hypothek Überlegungen dazu an, welche Konsequenzen eine mögliche Scheidung auf die finanzielle Situation beider Partner haben könnte. Eine unabhängige Expertenberatung, welche das Szenario Scheidung mit einbezieht, ist empfehlenswert. 

Alternative Güterstände und Eigentumsformen

Der Standard Errungenschaftsbeteiligung plus hälftiges Miteigentum ist für die wenigsten Ehepaare die ideale Lösung. Doch welche Alternativen gibt es? 

verschiedene Güterstände:

Mit einem Ehevertrag können Ehepaare den Güterstand frei wählen. Wichtig: Der Ehevertrag muss vom Notar beglaubigt werden. Folgende Güterstände sind möglich: 

  • Gütertrennung

Jeder Partner bleibt Eigentümer seines eigenen Vermögens. Es gibt keine gemeinsamen Güter und Schulden. Bei einer Scheidung gibt es folglich keine Aufteilung. Aber: Hat ein Ex-Partner den anderen beim Kauf einer Liegenschaft unterstützt, hat er bei der Scheidung Anrecht auf den entsprechenden Anteil an der Wertsteigerung. 

  • Gütergemeinschaft (Gesamteigentum)

Bei der Gütergemeinschaft unterscheidet man währen der Ehe zwischen drei verschiedenen Gütermassen:

  1. Güter der Ehegattin (Eigengut Ehegattin)
  2. Güter des Ehegatten (Eigengut Ehegatte)
  3. Güter, die beiden gehören (Gesamtgut) 

Zum Gesamtgut gehören das Vermögen und das Einkommen des Ehepaars. Es gehört beiden, wird von beiden verwaltet und bei Scheidung zwischen ihnen aufgeteilt. Für Schulden haften beide nur mit der Hälfte des Gesamtgutes und allenfalls mit ihrem Eigengut.

Aber: Für Schulden, die für Lebenskosten entstehen oder die mit Einverständnis des Ehegatten gemacht wurden, kann ein Ehepartner mit dem ganzen Gesamtgut haftbar gemacht werden. Hypothekarschulden fallen z.B. darunter.

Bei der Gütergemeinschaft gilt automatisch das Gesamteigentum als Eigentumsform (Siehe Punkt Gesamteigentum). 

Verschiedene Eigentumsformen

Nicht nur der Güterstand entscheidet, was im Falle einer Scheidung mit dem gemeinsamen Haus passiert. Auch die Form des Eigentums an der Liegenschaft spielt eine Rolle. Welche Alternativen zum oft gewählten hälftigen Miteigentum gibt es? 

  • Alleineigentum

Die Liegenschaft gehört nur einem Ehegatten. Er allein profitiert vom Gewinn, trägt das Verlustrisiko und haftet für die Hypothek. Wohnt er gemeinsam mit Ehepartner und eventuell Kindern in der Liegenschaft, darf er diese nur verkaufen, wenn der Ehepartner einverstanden ist. Kommt es zur Scheidung, kann der Nichteigentümer gerichtlich erwirken, dass er ein befristetes Wohnrecht erhält. Dies ist der Fall, wenn er nachweislich auf das Haus als Familienheim angewiesen ist.

Stirbt der Eigentümer, kann der übrige Ehegatte verlangen, dass ihm die Liegenschaft – unter Anrechnung auf seinen Erbteil – überschrieben wird, oder dass er ein Nutzniessungs- oder Wohnrecht daran erhält. Auch beim Miteigentum und Gesamteigentum hat der überlebende Ehegatte diese Möglichkeiten.

  • Miteigentum

Oft wendet man standardmässig das hälftige Miteigentum an. Die Quoten lassen sich beim Miteigentum aber frei definieren und können das Verhältnis der Finanzierung real widerspiegeln: Z.B. 30% zu 70%. Beim Miteigentum haben beide Ehegatten mit einer bestimmten Quote Rechte und Pflichten an der Liegenschaft. Über seinen Anteil verfügt jeder frei. Will einer seinen Anteil verkaufen, hat der andere ein gesetzliches Vorkaufsrecht. Sofern nichts anderes vereinbart worden ist, teilen sich die Ehegatten Gewinn, Verlust und Hypothekarschulden im Verhältnis der Quoten.

  • Gesamteigentum

Die Liegenschaft gehört beiden Ehepartnern zusammen. Es spielt dabei keine Rolle, wer wie viel bezahlt hat. Die Ehegatten nehmen die Rolle einer einfachen Gesellschaft ein und müssen einen Gesellschaftsvertrag miteinander abschliessen. Dieser regelt, wer welchen Betrag einschiesst und wie Gewinne und Verluste geteilt werden. Die Ehegatten können nur gemeinsam über das Haus bestimmen. Für Hypothekarschulden haften sie solidarisch. Partner, die im Ehevertrag eine Gütergemeinschaft vereinbart haben, sind automatisch Gesamteigentümer. 

An alles gedacht? So entscheiden sich Paare richtig

Wie entscheiden zukünftige Ehepaare, welcher Güterstand sich für sie am besten eignet? Die Frage birgt Konfliktpotential. Gerade wenn die Partner finanziell ungleich gestellt sind, ergeben sich je nach Güterstand grössere Vor- bzw. Nachteile für einen der beiden Partner. DIE Lösung zu finden, mit der beide zufrieden sind, ist die grosse Herausforderung. Damit das gelingt, muss die private und finanzielle Situation beider Partner analysiert werden. Das bedeutet, man sollte sich nicht nur mit dem Szenario Scheidung befassen, sondern auch mit dem möglichen Tod des Partners. Sind bei einem oder beiden Partnern bereits Kinder aus früheren Beziehungen vorhanden, muss dies ebenfalls in die Überlegungen miteinbezogen werden. 

Checkliste:

  • Wie verändert sich meine finanzielle Situation durch die Heirat? Welche Konsequenzen ergeben sich aus den verschiedenen Güterständen für mich?
  • Was bedeutet der von mir gewünschte Güterstand für meinen Partner?
  • Welche Eigentumsform ist die richtige für mich, für meinen Partner, für uns?
  • Was passiert beim Tod des Partners oder bei Scheidung? Welcher Güterstand, welche Eigentumsform wäre in einem solchen Fall für alle am besten geeignet?
  • Gibt es Kinder aus früheren Beziehungen, die beim Tod des Partners erbberechtigt am Haus sind? 

Antworten auf diese Fragen findet man bei Experten, etwa bei Notaren, Anwälten oder Rechtsberatern. Eine Zweitmeinung ist immer empfehlenswert. 

Entscheiden Sie sich für einen Ehevertrag, überprüfen Sie den Inhalt regelmässig und passen Sie ihn laufend den veränderten Lebensumständen an. 

Trotz klar geregelter Eigentumsform an der Liegenschaft, kommt es bei Scheidungen zu Konflikten, wenn es darum geht, den Erlös des Hauses aufzuteilen. Was tun, um spätere Streitigkeiten zu vermeiden? 

Tipps:

  • Führen Sie Liste

Erfassen Sie alle Investitionen schriftlich, auch solche nach dem Hauskauf. Geben Sie an, wer sie bezahlt hat, und woher das Geld stammt. Beide Partner unterzeichnen die Liste.

  • Bewahren Sie Belege und Unterlagen auf
  • Auch wenn der Hauskauf bereits einige Jahre zurückliegt: Liste führen und so viele Belege und Unterlagen aus der Vergangenheit zusammentragen wie möglich. 

Hauskauf ohne Trauschein

Auch unverheiratete Paare erwerben gemeinsam Liegenschaften. Gerade bei Paaren im Konkubinat ist es besonders wichtig, dass beide Partner sich vertraglich absichern. Lesen hierzu unseren Artikel "Hauskauf ohne Trauschein – Vertrag ist Pflicht"

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