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Baumangel - Was tun? - Teil 1 - Hypotheken-Ratgeber | Hypoguide AG

Teil 1: Baumängel – gut planen, weniger ärgern

Bei fast allen neu erstellten Gebäuden finden sich am Schluss Mängel. Mal sind es kleine Fehler, die der Maler rasch ausbessern kann. Ein anderes Mal muss der Metallbauer alle Geländer durch neue ersetzten. In der Regel gilt: Je aufwändiger die Behebung eines Mangels ist, desto teurer wird es. Wer bei der Planung bedächtig vorgeht, leistet wertvolle Arbeit, um Mängel zu verhindern.


Qualität vor Preis

Bevor der Architekt oder der Bauleiter einem bestimmten Unternehmer den Auftrag für eine Arbeit (Werk) vergibt, holt er von verschiedenen Unternehmern Offerten für diese Arbeit ein: Zum Beispiel für die Produktion und die Montage der Küche. Er vergleicht die Offerten miteinander und ermittelt das beste Angebot. Wenn nichts dagegen spricht, vergibt er den Auftrag, an den Unternehmer, der am günstigsten ist. Doch aufgepasst. Liegt ein Angebot vor, dass massiv unter dem Preis aller anderen Konkurrenten liegt, sollte man unbedingt nachfragen. Ein erfahrener Architekt oder Bauleiter tut dies in der Regel. Es lohnt sich, herauszufinden, weshalb das Angebot so extrem günstig ist. Denn irgendwo muss die Differenz zur Konkurrenz wieder herausgeholt werden: Meist geschieht dies auf Kosten der Qualität. Z.B. Wenn der Lehrling die Küche montiert, anstatt der erfahrene (kostspieligere) Schreinermeister. Das vermeintlich gesparte Geld ist dann in Form von Ausbesserungsarbeiten gleich doppelt wieder ausgegeben.

Nach dem Protokoll ist vor dem Protokoll

Vor dem ersten Spatenstich gibt es für den Architekten viel zu zeichnen und für den Bauherrn noch mehr zu entscheiden. Manche Dinge müssen bei der Einreichung des Baugesuchs schon definiert werden. Zum Beispiel die Anzahl Nasszellen. Anderes, wie z.B. die Gestaltung der Badezimmer, ist erst relevant, wenn der Innenausbau an der Reihe ist. Gerade im Innenausbau stellen sich viele gestalterische Fragen. Die Liste an zu besprechenden Punkten ist lang. Geht da auch nichts vergessen? Redet man nicht aneinander vorbei?

„Das habe ich mir aber anders vorgestellt“, hört man Bauherren immer wieder klagen. Dabei können Missverständnisse, egal ob vom Architekten oder vom Bauherrn verursacht, einfach entdeckt und verhindert werden. Mit einem simplen Mittel: Dem Protokoll. Das ist in vielen, doch leider nicht allen, Architekturbüros eine gängige Praxis. Der Architekt/ Bauleiter schreibt nach jeder Bauherren-Sitzung ein Protokoll über die besprochenen Punkte. Der Bauherr erhält das Protokoll zum Gegenlesen und unterzeichnet es – sofern der Inhalt korrekt ist. Fehlt etwas, oder hat der Architekt etwas falsch bzw. missverständlich notiert, macht der Bauherr ihn darauf aufmerksam. Erst wenn alle Unklarheiten beseitigt sind, unterzeichnet der Bauherr das Protokoll. Das ist sowohl für die Bauherrschaft, als auch für den Architekten eine Sicherheit.

Feine Risse, grosser Ärger

Ein typischer Fall: Wenige Monate nach dem Einzug ins neue Heim, sind an der Decke im Wohnzimmer Risse entstanden. Die Bauherrschaft will das nicht akzeptieren, und verlangt, dass das ausgebessert wird. Der Architekt sagt, die Risse könnten nicht beanstandet werden, weil sie sich im Rahmen des Zumutbaren befänden. Was bedeutet das? Und wer hat Recht? Entscheidend ist, was in der Nutzungsvereinbarung des Bauingenieurs definiert worden ist. Der Bauingenieur ist zuständig für die Statik eines Gebäudes. Er arbeitet eng mit dem Architekten/ Bauleiter zusammen und berechnet, wie dick Wände und Decken sein müssen, damit die Baute stabil ist. Er legt auch fest, welche Lasten Bauteile aus Stahlbeton aushalten müssen.

Im Material Stahlbeton liegt nämlich auch die Ursache für die Rissbildung. Denn erst die Rissbildung aktiviert die wichtige Funktion der Bewehrung (Stahl) im Stahlbeton. Der Stahl nimmt die Zugkräfte auf, die auf das Stahlbetonbauteil wirken, während der Beton die Druckkräfte aufnimmt. Risse in Stahlbetontragwerken sind also normal und sogar notwendig. Ist nichts anderes vereinbart, gelten für Stahlbetonbauteile normale Anforderungen gemäss SIA 262 (Norm zum Betonbau des Schweizerischen Ingenieur- und Architektenvereins). Konkret bedeutet das, dass Risse gemäss dieser Norm eine Breite von 0.7mm erreichen dürfen. Wenn sie nur vereinzelt auftreten sogar 1.2mm. Wem das zu viel ist, kann in der Nutzungsvereinbarung erhöhte Anforderungen an Stahlbetonbauteile stellen. Zum Beispiel an die Decke über dem Wohn- und Essbereich. Erhöhte Anforderungen lassen gem. der SIA Dokumentation D 182 eine mittlere Rissbreite von ca. 0.5mm und vereinzelt Risse bis 0.9mm zu.

Tipps:

  • Informieren Sie sich vorher über eine Firma, bevor Sie ihr eine Arbeit vergeben. Zögern Sie nicht nachzufragen, wenn ein Angebot verdächtig günstig ist. Fragen Sie nach Referenzobjekten und reden Sie mit ehemaligen Kunden.
  • Verlangen Sie detailierte Ansichtspläne oder Visualisierungen. Zum Beispiel Ansichten aller Wände im Badezimmer, die zeigen, welches Fugenbild zu erwarten ist.
  • Besprechen Sie mit dem Architekt bzw. Ingenieur, wo sich erhöhte Anforderungen an Stahlbeton lohnen könnten, um Risse zu verhindern.
  • Lesen Sie bei Interesse auch unseren Artikel "Baumängel beheben - und was Sie über SIA 118 wissen müssen".

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